Leitlinien
Diastolische Funktion 2025: Ein praktischer Ansatz nach den neuen ASE-Empfehlungen
Diastolische Funktion 2025: Ein praktischer Ansatz nach den neuen ASE-Empfehlungen
Dr. med. Christian Kirsch
13. Sept. 2026 · 3 min Lesezeit
Diastolische Funktion 2025: Ein praktischer Ansatz nach den neuen ASE-Empfehlungen
Einleitung: Warum die diastolische Funktion wichtig ist
Die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) macht einen großen Anteil aller Herzinsuffizienzfälle aus. Wesentliche Mechanismen sind eine gestörte LV-Relaxation und/oder eine erhöhte LV-Steifigkeit, wodurch trotz erhaltener LVEF erhöhte Füllungsdrücke entstehen können.
Die Echokardiographie bleibt das wichtigste Verfahren zur Beurteilung der diastolischen Funktion. Die aktualisierten ASE-Empfehlungen 2025 vereinfachen die initiale Beurteilung und sollen unklare bzw. intermediäre Befunde reduzieren.
Eine wesentliche Änderung gegenüber dem Algorithmus von 2016 ist, dass das linksatriale Volumen nicht mehr Teil der primären Beurteilung ist, da es den aktuellen Füllungsdruck nur eingeschränkt widerspiegelt. Die initiale Bewertung konzentriert sich stattdessen auf e′, E/e′ und TR-Geschwindigkeit/PASP.
Sind diese Parameter diskordant oder nicht zuverlässig messbar, werden zusätzliche Parameter wie LA Reservoir Strain, Pulmonalvenenfluss, LAVi und IVRT herangezogen, um den Füllungsdruck besser einzuordnen und intermediäre bzw. unklare Befunde möglichst zu vermeiden.
Dieser Beitrag orientiert sich primär am Algorithmus aus Abbildung 3 zur Graduierung der diastolischen Dysfunktion und Abschätzung des linksatrialen Drucks (LAP).
Grundprinzipien – ASE 2025
Kein einzelner Parameter ist diagnostisch
Immer multiparametrisch und schrittweise vorgehen
Der Algorithmus ist unabhängig von der LVEF anwendbar
Initiale Beurteilung anhand von:
e′
E/e′
TR-Geschwindigkeit / PASP
Schritt 1: Drei zentrale Parameter
Gemeinsam beurteilen:
e′
pathologisch bei mittlerem e′ ≤ 6,5 cm/s
E/e′
pathologisch bei mittlerem E/e′ ≥ 14
TR-Geschwindigkeit / PASP
pathologisch bei TR ≥ 2,8 m/s
oder PASP ≥ 35 mmHg
Normale diastolische Funktion
Sind alle drei Parameter normal:
→ normale diastolische Funktion / normaler LAP
Grad I – Gestörte Relaxation
Ist nur e′ reduziert:
E/e′ normal
TR-Geschwindigkeit / PASP normal
Dann E/A beurteilen:
E/A ≤ 0,8 → Grad I
E/A > 0,8 → weiter mit Schritt 2
Grad I ist mit normalem LAP in Ruhe verbunden.
Wann ist Schritt 2 erforderlich?
Schritt 2 bei:
reduziertem e′ und E/A >0,8
isoliert erhöhtem E/e′
isoliert erhöhter TR-Geschwindigkeit / PASP
zwei pathologischen Primärparametern
Sind alle drei pathologisch:
→ LAP erhöht
Schritt 2: Abschätzung des Füllungsdrucks
Zusätzliche Parameter:
LAVi > 34 mL/m²
LARS ≤ 18 %
Pulmonalvenen-S/D ≤ 0,67
Alternativ:
IVRT ≤ 70 ms
Interpretation:
≥1 Parameter pathologisch → LAP erhöht
alle normal → LAP wahrscheinlich normal
Pragmatische klinische Alternative
Im Alltag sind Pulmonalvenenfluss und LA-Strain nicht immer zuverlässig verfügbar.
Dann kann vereinfachend gelten:
LAVi > 34 mL/m² → spricht für erhöhten LAP
bei normalem oder nicht eindeutigem LAVi:
IVRT ≤ 70 ms → unterstützt erhöhten LAP
Dies ist eine praktische Vereinfachung, kein Ersatz für den vollständigen ASE-Algorithmus.
Grad II und III
Bei erhöhtem LAP:
E/A < 2,0 → Grad II
E/A ≥ 2,0 → Grad III
Zusammenfassung
Grad | Hauptbefund | LAP |
Normal | Alle 3 Primärparameter normal | Normal |
Grad I | e′ reduziert, E/A ≤0,8 | Normal |
Grad II | LAP erhöht, E/A <2 | Erhöht |
Grad III | LAP erhöht, E/A ≥2 | Deutlich erhöht |
Wichtige Neuerungen gegenüber 2016
stärkere Betonung eines multiparametrischen Ansatzes
initiale Beurteilung mit e′, E/e′ und TR/PASP
Integration von LA-Strain
definierte Rolle der IVRT
klarere Beurteilung intermediärer Konstellationen
Limitationen
Der Standardalgorithmus sollte nicht unverändert angewendet werden bei:
Vorhofflimmern
relevanten Mitralklappenerkrankungen
relevanter Mitralanulusverkalkung
nichtkardialer pulmonaler Hypertonie
LVAD / Herztransplantation
konstriktiver Perikarditis
Fazit
Der ASE-2025-Algorithmus aus Abbildung 3 ist klinisch gut umsetzbar:
Start mit e′, E/e′ und TR/PASP
Schritt 2 bei intermediären Konstellationen
erhöhter LAP vor Graduierung bestätigen
E/A <2 → Grad II
E/A ≥2 → Grad III
Ein vereinfachter Ansatz mit LAVi + IVRT kann hilfreich sein, wenn weiterführende Parameter nicht verfügbar sind.
Referenzen
Nagueh SF, Sanborn DY, Oh JK, et al. Recommendations for the Evaluation of Left Ventricular Diastolic Function by Echocardiography and for Heart Failure With Preserved Ejection Fraction Diagnosis: An Update From the American Society of Echocardiography. J Am Soc Echocardiogr. 2025.
Nagueh SF, Smiseth OA, Appleton CP, et al. Recommendations for the Evaluation of Left Ventricular Diastolic Function by Echocardiography. J Am Soc Echocardiogr. 2016;29:277–314.