Sehr geehrte Besucher der Internetseite “Echokardio.de”:

Ich möchte von Zeit zu Zeit in dieser neu geschaffenen Rubrik über Leitlinienänderungen und andere Neuigkeiten rund um das Thema Echokardiographie berichten.

Besonders sei in diesem Zusammenhang auf die Internetseite der „American Society of Echocardiography“ hingewiesen (www.asecho.org), deren Leitlinien oftmals in Kooperation mit der EACVI (European Association of Cardiovascular Imaging), einer Sektion der European Society of Cardiology verfasst werden – entsprechende Links zu aktuellen Artikeln finden Sie auf Echokardio.de unter anderem unter „weitere Literaturempfehlungen”

Entscheidende Leitlinienänderungen hat es unter anderem 2017 zu den Themen „Klappeninsuffizienzem“ sowie zur Aortenklappenstenose gegeben – eine „Essenz“ dieser Leitlinien finden Sie auf Echokardio.de unter dem Link „Ergänzungen zur 5. Auflage/Errata“ 

Bezüglich der neuen Leitlinien zur Aortenklappenstenose sind bei aller Fülle neuer und bekannter Informationen vielleicht folgende Statements besonders interessant:

  • Bei einer Vmax. >/= 4 m/s bzw, einem mittleren Druckgradienten von >/= 40 mm Hg über einer Aortenklappe  kann mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer hochgradigen Aortenklappenstenose ausgegangen werden – es sei denn, es liegt eine (reversible) high flow-Kreislaufsituation vor (Fieber, Hyperthyreose, Anämie, AV-Shunts) mit einem SVI > 58 ml/m2 (online-Berechnung s. weiter im Text auf dieser Seite)
  • Umgekehrt kann bei einer Vmax. < 3 m/s und/oder einem mittleren Gradienten < 20 mm Hg mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer hämodynamisch irrelevanten Aortenstenose ausgegangen werden
  • Die effektiveKlappenöffnungsfläche (KÖFeff– ermittelt über die Kontinuitätsgleichung) ist stets kleinerund auch prognostisch relevanterals die anatomische KÖF

Dies relativiert auch die Bemühungen einer KÖF-Planimetrie mittels 3D-Echokardiographie!

  • Somit hat (Stand jetzt) die planimetrisch berechnete (2D/3D) Klappenöffnungsfläche einer Aortenklappenstenose keinen Stellenwert mehr – die Kontinuitätsgleichung ist dagegen trotz aller bekannten Limitationen das Quantifizierungsverfahren der Wahl (bei z.B. einer Vmax. > 3/< 4 m/s), dennoch sollten (insbesondere in Spezialsituationen, v.a. bei V.a. low-flow-low-gradient-Aortenstenose mit einer EF >50 %) andere Bewertungsverfahren integrativ hinzugezogen werden (und natürlich potentielle Fehlerquellen, insbesondere bei der Messung des LVOT bedacht werden):
  • Neu ist hier u.a. eine Kalkscore-Berechnung der Aortenklappe per Computertomographie

Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte diesem Link:

Bezüglich der der Leitlinienänderungen zu Klappeninsuffizienzen haben sich unter anderem folgende Neuerungen ergeben:

  • Die Mitralinsuffizienz(MI) sollte jetzt bezüglich der Vena contracta-Methode vornehmlich in der langen parasternalen Achse vermessen werden (analog zur Aorteninsuffizienz)
  • Es gibt nach wie vor „spezifische“ Kriterien einer höhergradigen MI (flail leaflet, weiter linker Ventrikel mit erhaltener Pumpleistung, Vena contracta >/=7 mm, PISA-Radius >/= 10 mm bei Alias von 30-40cm/s, …) – bei vier vorliegenden spezifischen Kriterien ist eine hochgradige MI gesichert – bei nur 2 – 3 erfüllten Kriterien ist die EROA (z.B. via PISA-Verfahren) von zentraler Bedeutung 
  • Gleiches gilt jetzt auch für die Aorteninsuffizienz: spezifische Kriterien überprüfen (Vena contracta > 6 mm, PHT < 200 ms, holodiastolischer Reflux in der Aorta, …) – wenn 4 erfüllt, Diagnose sicher; bei nur 2-3 erfüllten Kriterien PISA-Methode einsetzen
  • Bezüglich der Pulmonalinsuffizienz (PI) sollte jetzt eine Relation von Vena contracta zu Annulus-Weite ermittelt werden (cutoff-Wert >70 %)
  • Der PHT-Cutoff-Wert wurde auf < 100 ms gesenkt
  • Neu ist als Hinweis auf eine hochgradige PI der Nachweis eines reversen Flows in der rechten oder linken Pulmonalarterie (per PW-Doppler)

Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte diesem Link:

ASE-Leitlinien zu Klappeninsuffizienzen und zur Aortenklappenstenose

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